„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Fragen nach Unfehlbarkeit

Die Glaubwürdigkeit der Bibel ist sogar unter Christen umstritten. Manche halten sie für das Werk auserwählter, aber eben fehlerhafter Menschen. (Diesen Menschen sollte sich die Frage aufdrängen, wie man dann wissen will, was in der Bibel ernst zu nehmen ist und was weniger. Stimmt das mit der Allmacht? Gibt es wirklich ein Paradies? Ja, selbst wenn manches symbolisch zu nehmen ist, was fast alle Christen glauben, woher wissen wir, was wie zu verstehen ist? Ist das Paradies vielleicht nur eine Metapher für den Tod mit Gott in Frieden?) Die Glaubwürdigkeit des Papstes ist sogar unter Katholiken umstritten. Manche halten ihn für einen auserwählten, aber eben fehlerhaften Menschen. Für manche aber, etwa für zehntausende evangelikale Christen in Texas, sind Bibel und Papst unfehlbar. Für sie ist dies eine Art Axiom. Unbeweisbar, aber auch für jeden unmittelbar einsichtig und vor allem entzieht es sich jeglicher Diskussion. Ich will es trotzdem tun.

Gehen wir einmal davon aus, dass göttliche Wahrheiten wie der „richtige Umgang mit Homosexuellen“ zeitlos sind. Dann steckt man schon im Widerspruch. Wenn die Bibel unfehlbar ist, wie kann es sein, dass sie sich widersprechende Anweisungen und Beschreibungen enthält? Etwa die beiden, unvereinbaren Schöpfungsgeschichten oder die Anzahl der Söhne Absaloms. Wenn der Papst unfehlbar ist, wie kann es passieren, dass sich zwei Päpste parallel oder nacheinander in Anweisungen und Beschreibungen widersprechen? Oder gar ein- und derselbe Papst? Ich erspare uns eine Auflistung der etlichen Revidierungen und Wirrungen päpstlicher Aussagen.

Solange das Christentum dogmatisch denkt, ist eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaften kaum möglich. Das naturwissenschaftliche Weltbild ist keine Ersatzreligion, wie gerne behauptet wird. Wenn christliche Fundamentalisten wirklich überzeugende, empirische Belege für die Erschaffung von Allem in sechs Tagen liefern, dann werfen die Biologen ihre Evolution und Physiker ihren Urknall nieder. Tatsächlich suchen Naturwissenschaftler als Falsifikationisten immerzu nach Fehlern in ihren Theorien. Der Glaube macht das nicht. Und solange Christen trotz guter Gegenargumente, trotz Dinosaurierskelettfunde, an der Schöpfungslehre festhalten, ist kein konstruktiver im Sinne der offenen Wahrheitssuche dienender Dialog denkbar.

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