„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Der Nutzen des Naturalismus (Streitgespräch)

Ich vermute, du gestehst ein, dass die medizinische Forschung weitaus mehr praktischen Nutzen hatte als jede eurer esoterischen Heilkräuterkunden. Doch es gibt ja auch Bereiche der Grundlagenforschung, die augenscheinlich keinen praktischen Nutzen mit sich bringen. Etwa die Arbeiten am CERN. Falls du das kritisieren wolltest, möchte ich mit zwei Punkten gegenargumentieren.

Zum einen Mal hat das Ansehen von Kunst, das Hören von Musik oder die Archäologie auch keinen praktischen Nutzen. Menschen machen diese Dinge aus Interesse und Freude, ohne direkt messbaren Mehrwert. Nun belästigt uns unser Verstand, wie Kant bereits feststellte, mit Fragen auf die wir vielleicht nie eine Antwort haben werden. Und dennoch interessieren Sie uns eben. Woraus besteht die Materie? Wie ist das Universum entstanden? Was ist Zeit? Da ihr den Künstlern und den Historikern nicht fragt was die Welt von einem Michelangelo hat, lasst doch auch uns unser Interesse. Es wäre doch schlimm, wenn alles nur noch nach ökonomischem Gesichtspunkten durchkalkuliert würden werde.

Zweitens wissen wir aus Erfahrung, dass zunächst unnütz erscheinende Forschung  zu Grundpfeilern riesiger Wachstumsmärkte werden kann. Unsere heutige Welt wäre ohne Quantenphysik und somit auch ohne das anfänglich nutzlos erscheinende Interesse einiger weniger Quantenpioniere nicht denkbar.

Dass wir Naturwissenschaftler nie eine Antwort auf existentielle Fragen liefern können, mag sein. Doch dies liegt vielleicht auch einfach nur an dem Umstand, dass die Welt beliebig, ohne Sinn und Unendlichkeit ist. Und auch daran, das gebe ich zu, dass man uns Naturwissenschaftler immer frägt „warum“, wir aber immer nur das „Wie“ erklären können, woraufhin sich natürlich die nächste „Warum“ Frage auftut und so weiter. Die Naturwissenschaft nie die letztbegründete, alles beantwortete Erklärung geben können. Das ihr das könnt, mag ich aber gleich doppelt zu bezweifeln.

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