„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

existentielle Fragen und Idealismus (Streitgespräch)

Bei einem Punkt muss ich dir Recht geben. Insbesondere in deutsch-universitären Kreisen möchte man, seit die wissenschaftliche Methode als so glaubwürdig angesehen wird, diese auch für sich beanspruchen. Dabei will Gott doch erfahrbar, nicht erforsch- oder gar beweisbar sein. Jesus, Buddha und Co. waren die Tat stets wichtiger, als das Wort. Und wenn wir uns als Postapostel, als die Verkünder der frohen Botschaft verstehen, sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, dass unsere Vorbilder Märtyrer waren. Keine Forscher.

Entschieden widerspreche ich dir aber, wenn du meinst die Naturwissenschaft würde die Religion irgendwann ganz verdrängen. Gehen wir nämlich einmal davon aus, dass die ihr die gesamte Natur erklären könntet, so hättet ihr immer noch keine Antworten auf die existentiellen Fragen des Lebens. Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Diese Fragen beschäftigen uns aber alle zutiefst. Im Gegensatz zu der Frage nach der mathematisch richtigen Beschreibung der Gravitation bewegen uns diese Fragen zutiefst. Daher werdet ihr uns nie gänzlich vertreiben, höchstens auf das Gebiet der Transzendenz zurücktreiben. Denn dort hatten wir angefangen, bevor wir auch Forscher sein wollten.

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