„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Cui Bono?

Ich beschäftige mich schon länger mit der Verschwörungsszene. Damit meine ich nicht die Gruppe von Menschen, die wohldurchdacht-kritisch Dinge hinterfragen. Sondern die Hardcore-Verschwörungstheoretiker, die hinter jeder mächtigen Person ein Illuminaten-Reptiloid vermuten und auch jeder noch so wirren Verschwörungstheorie Glauben schenken.

Falls diese Menschen überhaupt einmal etwas Argumentähnliches hervorbringen, um ihre Überzeugung zu unterlegen, so ist es oft die Frage Cui bono, lateinisch: Wem zum Vorteil? Und das ist auch nicht falsch. In jeder vernünftigen Ermittlung sollten mögliche Motive bedacht werden und wenn sich bei einem eins findet, kann er als möglicher Zeuge gehandelt werden. Aber wenn Sie einen Krimi sehen, in dem gerade eine ermordete Frau gefunden wurde, können Sie nicht sagen es war hundertprozentig ihr Exfreund, nur weil dieser eifersüchtig auf die Frau und ihre neue, große Liebe ist. Diese Rechnung ist einfach, zu einfach. Und genauso voreilig ist auch die Hardcore-Verschwörungsszene, wenn Sie sagt die USA hätten 9/11 inszeniert, weil sie vom Irak-Krieg profitierten. Ich sage nicht, dass dem nicht so ist. Aber ein Motiv macht noch keinen Täter. Beim Krimi nicht und beim Irakkrieg nicht.

Da alle guten Dinge drei sind, noch ein drittes Beispiel:  Hier habe ich aufgezeigt, dass es für die Pharmaindustrie wirtschaftliche Motive gibt, an einer ungesunden Bevölkerung zu arbeiten. Vielleicht machen sie dies in Teilen auch wirklich, bin ich der letzte der da widerspricht. Aber allein aus dem Umstand, dass die Pharmaindustrie an kranken Menschen verdient ergibt sich noch nicht, dass sie sich auch solche wünscht. Das wäre ein Fehlschluss, den man von Seite der Hardcore-Verschwörungstheoretiker nur allzu oft hört.

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Kommentare: 1
  • #1

    Köppnick (Mittwoch, 30 Juli 2014 08:47)

    Ein Beispiel, wie einen "Cui Bono" in die Irre führen kann, liefert der Abschuss von MH 17. Putin hat in einer der ersten Pressekonferenzen zu diesem Thema so argumentiert: "Die Ukraine profitiert von dem Abschuss, weil man es den Separatisten bzw. Russland in die Schuhe schieben wird und diese davon Nachteile haben. Also hat die Ukraine das Flugzeug abgeschossen.

    Ein weiteres Beispiel ist ein Lottogewinn. Von diesem profitiert der Gewinner am allermeisten. Aber er hatte sicherlich keine Möglichkeit, die gezogenen Zahlen festzulegen.


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