„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Ideologieargument

Es macht einen riesen Unterschied, ob man mit einer ergebnisoffenen Person oder gegen eine Überzeugung argumentiert. Im Folgenden möchte ich anhand einiger unkonventioneller Beispiele aufzeigen, weshalb es wohl gar vergebens ist, mit einem Menschen gegen seine unumstößliche Überzeugung zu argumentieren. Ideologien sind immun gegen Argumente.

Wenn ein Mädchen felsenfest glaubt, ich wäre in sie verliebt, kann ich machen, was ich will. Sie wird so oder so in jede meiner Handlungen einen Ausdruck meiner Liebe zu ihr reininterpretieren. Bin ich nachgiebig und sentimental, dann gebe ich vor ihr den Softie, um sie um den Finger zu wickeln oder werde tatsächlich in ihrer knieerweichenden Gegenwart gefühlvoll. Bin ich hingegen dominant und rücksichtslos, so mache ich in ihren Augen einen auf Harten und will sie damit beeindrucken. Wenn ich uninteressiert wirke und nie etwas mit ihr unternehmen möchte, verrät das mich und ich will eigentlich nur schwer erreichbar und somit interessant erscheinen. Wenn ich interessiert wirke, verrät dies mich erst recht. So beschränkt ihre Überzeugung ihren Verstand. Ihr Verstand bewegt sich nur noch im Rahmen der Überzeugung. Ähnlich ist das bei der Diskussion mit dogmatischen Verschwörungstheoretikern. Nur, falls man ihre Grundsätze annimmt, lassen sie darauf aufbauend mit sich diskutieren. Argumentiert man jedoch gegen ihre Dogmen, ist man für ihn schlimmstenfalls ein systembezahlter Agent, und interessiert man sich nicht für manch Hirngespinst, so ist man ein sogenanntes Schlafschaf. Die Optionen, dass man andere, legitime Standpunkte vertritt oder aufgrund eines höheren Intellekts die Thematik tatsächlich als lächerlich erkennt, gibt es für einen festgefahrenen VT´ler meist gar nicht. Er sieht, was er erwartet zu sehen.

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