„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

BlackRock

1. Einstieg

Als ich mich vor ein paar Tagen mit einer Freundin in einer gut besuchten Bar traf, wurde uns ein Platz nebst eines alteingesessenen Stammtisches zugeteilt. Wie ich zu meiner, doch sehr positiven, Überraschung feststellte thematisierte einer der Männer vom Tisch nebenan die jüngsten Skandale der Deutschen Bank. Über die geplante (und mittlerweile glücklicherweise gekippte) Finanzierung eines Kohlehafens am weltgrößten Korallenriff der Erde, über Nahrungsmittelspekulationen und Landgrabbing durch Rohstoff- und Agrarfonds und sogar über den Verdacht auf Wechselkursmanipulationen wurde sich herrlich echauffiert. Spätestens seit der großartigen ARTE-Dokumentation über Goldman Sachs sind auch deren Machenschaften in vielem Volksmunde. Black Rock aber kennt kaum jemand. Auch im Internet findet man nicht viel über dieses Finanzunternehmen. Dabei ist Black Rock die größte Investmentgesellschaft überhaupt

2. Aufstieg

Gerade im Zuge der Finanzkrise wuchs der „schwarze Fels“ auf seine hyperdimensionale Größe an. Die US-Regierung selbst beauftragte Black Rock die Preise der gefährlichen Schrottpapiere festzulegen. Eine schwierige Aufgabe, aber wer sollte diese lösen wenn nicht das Unternehmen um Laurence Fink? „Larry“ Fink ist Chef bei Black Rock und gilt als bester Risikoanalyst überhaupt. Keiner kann so gut mit toxischen Papieren wie er. Das Geld floss in Fonds und diese gingen an Banken, bei denen Black Rock selbst wieder Anteilseigner ist. Der Clou aber gelang Black Rock im Juni 2009. Die britische Bank Barclays stand kurz vor Insolvenz und verkaufte so notgedrungen ihre gesamte Vermögensverwaltung Barclays Global Investors an Black Rock. Das ganze kostete Black Rock 13,5 Milliarden US-Dollar und erhöhte ihr Anlagekapital um mehr als eine Billion Dollar. Schlagartig war Black Rock der weltgrößte Vermögensverwalter.

3. Größe

Folgende (und auch die vorrangegangene, einleitende) Vergleiche mit Black Rock hinken. Denn Black Rock ist ja nicht tatsächlich im Besitz dieser 4 Milliarden. Als Vermögensverwaltung ist es die Arbeit des Unternehmens die ihnen vertrauten Assets von insgesamt über 4 Billionen US-Dollar zu verwalten und durch Anlagen zu vermehren. Aber trotzdem, um ein Gefühl für die Größenordnung zu bekommen. Sehr gute 4 Billionen US-Dollar, dass sind 4.000 Milliarden US-Dollar. Dass ist weit mehr als das Zehnfache vom deutschen Bundeshaushalt im Jahre 2010. Dass ist fast doppelt soviel wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr.

4. Aktienanteile

Man ist versucht zu sagen „natürlich“ ist der Finanzriese auch in fragwürdige Firmen investiert. Bei Monsanto, Nestlé, Exxon Mobeil, Apple, JPMorgan, Standard  and Poor´s und vielen anderen ist BlackRock Großaktionär. Auch bei Geschäften mit Drohnen und Palmöl (ergo Monokultur, ergo Regenwaldabholzung) mischt BlackRock kräftig mit. BlackRock ist Anteilseigner fast aller 30 DAX-Unternehmen und bei neun von diesen dreißig auch wieder Großaktionär. BlackRock Inc. ist mit 5,14% sogar der einzige Aktionär der Deutschen Bank über der gesetzlichen Meldeschwelle von 3%.

5. Aladdin

Darüber hinaus verfügt Black Rock noch einmal über eine enorme, indirekte Macht. Da wäre zum einen mal Aladdin. Aladdin ist ein riesiges Datenanalysesystem, erschaffen von IT-Experten weltweit und bestehend aus rund 500 Großrechnern auf vier Rechenzentren. Deren Standorte natürlich streng geheim sind. Mit über 200 Millionen Kalkulationen pro Woche bewertet und erstellt Aladdin Risiken, Prognosen und Chancen von Wertpapieren, Naturkatastrophen, Leitzinsen, Wechselkursen, dem Ölpreis & Co durch und erstellt daraus eine Risikobewertung der einzelnen Produkte. Wer sich einmal solch ein Produkt einer Investmentgesellschaft angesehen hat, weiß wie unheimlich komplex und kompliziert diese sind.

 

Diese Software verkauft Black Rock als Dienstleistung, z.B.: an die Deutsche Bank und verfügt somit über eine Macht von zusätzlich 14 Billionen Dollar.

6. Vernetzung

Es sind nicht nur die Berechnungen ökonomischer Folgen von Ereignissen in Millisekunden, das Risikomanagement, die Black Rock noch einmal eine solche Macht verleihen. Nicht nur die daraus entstehende Abhängigkeiten, die jeden Mann in der Wall Street zwingt sich mit Black Rock gutzustellen. Es sind auch und ganz stark gerade die Kontakte, die Black Rock so einflussreich machen. Larry Fink hat enge Kontakte Ben Bernanke, Präsident der amerikanischen Notenbank FED, Mario Draghie, Präsident der EZB (und ehemals Mitarbeiter bei Goldman Sachs) und Philipp Hildebrand, ehemaliger Präsident der Schweizerischen Notenbank und mittlerweile im Vorstand von Black Rock. Larry Fink bespricht sich oft telefonisch mit dem amerikanischen Finanzminister Timothy F. Geithner, ist eng vernetzt mit dem J. P. Morgan Chef James Dimon und Goldman Sachs Chef Lloyd C. Blankfein.

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