„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Schwäche Zeigen

Woher kommt die Angst Schwäche zu zeigen? Schwäche heißt Angriffsfläche. Eine Person, die sagt dass es ihr wehtut wie man mit ihr umgeht ist potentiell verletzlicher, als eine die suggeriert komplett über diesen Dingen zu stehen. Und darin liegt, glaube ich, ein Grund weshalb es uns sooft schwer fällt Schwäche zu zeigen. Warum wir uns damit schwer tun, sich vor Jemanden mit seinen Gefühlen, Ängsten und Sehnsüchten offenzulegen. Wird man auch noch gemocht, wenn man nicht nur der perfekte Leistungserbringer ist? Deshalb hat, glaube ich, seine Schwächen zu überspielen viel mit Misstrauen zu tun. Sei es spezifisch oder generell gegenüber den Mitmenschen. Man traut sich quasi nicht seinen Schwachpunkt offenzulegen, weil man Angst hat der Gegenüber könnte reinstoßen. Im Umkehrschluss sollte man um diese Angst zu überwinden, um Halten und Fallenlassen zu können, Vertrauen schenken und eine Person sein der man vertrauen kann. Und ich glaube, dass es erstrebenswert, erleichternd und unheimlich wohltuend ist diese Angst überwinden zu dürfen. Vielleicht nicht allgemein, es wird immer Menschen geben denen man nicht vertrauen kann. Jedoch jeder Mensch sollte diese eine Person haben, bei der er oder sie nicht das Gefühl hat ihr irgendwas beweisen zu müssenIch kenne dich vielleicht nicht. Aber ich wünsche dir, ehrlich, eine solche Person von ganzem Herzen.

 

Als Kind haben wir manchmal ein Spiel gespielt. Wir stellten uns vor den Anderen, schlossen die Augen und ließen uns mit angespanntem Körper in die Hände des Gegenübers fallen. Fallenlassen und Gehaltenwerden. Es braucht eine Person die vertraut. Und eine, der zu vertrauen ist. Irgendwie ein schönes Bild, wie ich finde.

Ein anderer Grund für unsere Angst ist sicher das Eigen- und Fremdbild. Wir sehen uns nur allzu oft aus den Augen Anderer. Und ziehen aus diesen Bildern unser Selbstwertgefühl. Deshalb möchten wir nicht, dass der Andere jemand zerbrechliches, unsicheres in einem sieht. Dies jedoch genauer aufzurollen ist eine weitere, traurige Geschichte.

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Kommentare: 2
  • #2

    sapereaudepls (Sonntag, 28 Dezember 2014 13:36)

    Eine Beziehung auf Augenhöhe ist gefährlich, da man dir so ins Gesicht schlagen (dich verletzen) kann. Das Traurige an Beziehungen "von oben (oder unten) herab", ist hingegen, dass man sich nicht in die Augen sehen (persönlich näher kommen) kann.

    Es gibt kein Glück ohne das Risiko, es zu verlieren.

  • #1

    Udo (Sonntag, 28 Dezember 2014 13:31)

    Man sieht den anderen lieber "von oben herab" und fühlt sich dabei sicherer.
    Das ist tatsächlich traurig.


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