„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Angst und Moral

„Tue das Gute um des Menschen Willen“. - Feuerbach

Eine Argumentation, die versucht die Theodizee zu lösen, geht wie folgt. Leid führe zu Gott. Zum einen mal seien es die schwierige Zeiten im Diesseits, die Menschen Gottes Nähe suchen lassen. Zum anderen die Androhung von Leid im Jenseits, die Menschen mit und nach Gott leben lassen. Zum ersten Punkt sei nur gesagt, dass es für einen allmächtigen Gott keiner Welt mit Folter, Trennung und Krankheit bedürfe um von Menschen gesucht zu werden. Falls uns die Sünde von Gott und Paradies trennen sollte, steht die Tragweite des Sündenfalls über Gott und er ist nicht allmächtigFalls nicht gibt es keinen Grund weshalb Gott uns nicht von vorne rein im ewig perfekten Himmel leben lassen sollte. Es sei denn er meint es nicht gut mit uns und ihm gefällt gar der Test, den wir hier zu absolvieren haben. So ist die Theodizee also nicht zu lösen.

"Ein Gott, der die Hölle gemacht, verdient als einziger darin zu braten."

- Karlheinz Deschner

Auf den zweiten Punkt möchte ich ein wenig ausführlicher eingehen. Es lässt sich hier natürlich wieder wie bei Punkt eins argumentieren. Ein allmächtiger Gott braucht kein Partikulargericht um unsere Gunst zu gewinnen. Und wenn Gott die  Hölle nicht braucht und trotzdem für die „Abtrünnigen“ bereithält ist dies nicht mit dem Bild eines gütigen Gottes kompatibel. Ich will aber mehr philosophisch und weniger theologisch an diesen Punkt rangehen. Er wird nämlich oft auch als Legitimation der Hölle herangezogen. Denn die Angst vor ihr bedinge moralisches Verhalten. Zu diesem Schwachsinn ließen sich seitenlange Abhandlungen über Gerechtigkeit, Relationen und mehr schreiben. Aber selbst wenn das alles so gerecht und gerechtfertigt wäre, bleibt eine Frage die ich hier stellen möchte.

“You don't need religion to have morals. If you can't determine

right from wrong then you lack empathy, not religion.” - Unknown

Kann Angst überhaupt zu Moral führen? Eine moralische Handlung ist doch gerade dadurch gekennzeichnet, dass sie aus freier Nächstenliebe vollführt wird. Und nicht etwa aus Zwang und Eigennutz. Jemanden mit der Hölle zu drohen falls er unmoralisch leben sollte ist wie wenn man ihm eine Pistole an die Schläfe drückt und ihn auffordert einer alten Dame über die Straße zu helfen. Eine solch aufgrund von Angst begangene Tat, ist teleologisch nützlich, jedoch nicht deontologisch ethisch. Moral kommt aus einem guten, freien Willen, nicht aus Angst heraus. Hume sah das ähnlich. Für ihn war eine Handlung dann gut, wenn sie dem Wohlwollen entspringt (deontologische Ethik) und dem Gemeinwohl dient (teleologische Ethik). Und der Soziologe Hans Joas hat empirisch nachgewiesen, dass Säkularisierung nicht gleich Werteverfall bedeutet. Es gäbe, so Joas, noch „andere Quellen der Moral als die Religion.“ Die Schlussfolgerung ist also überhaupt nicht stichhaltig. Ich brauche auch gar keinen Anreiz auf ein ewiges Paradies und keine Angst vor unendlich, endlosem Leid um meinem Nächsten beizustehen. Ich habe den Glauben an den Weihnachtsmann und  an Knecht Ruprecht überlebt und ich helfe trotzdem alten Damen über die Straße.

"Wenn die Menschen nur deshalb gut sind, weil sie sich vor Strafe fürchten und

auf Belohnung hoffen, dann sind wir wirklich ein armseliger Haufen!" - Albert Einstein

„Die Wege des Herrn sind unergründlich.“ (zu Deutsch: höre auf  selbst zu denken!) Fürwahr! Und sie sind einem vorgezeichnet, unfrei. Ja die Wege des Herrn führen einem weg von so mancher Moral (z.B.: Toleranz gegenüber Schwulen). Und zu guter Letzt, für die Freunde des Pathos: Nicht das Gesetz, die Liebe ist meine Religion.

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Kommentare: 2
  • #2

    sapereaudepls (Mittwoch, 17 Dezember 2014)

    Ich verstehe nicht, wie man (euren) Glaube mit Hoffnung verbinden kann, wenn der Großteil der Menschheit ihm doch gerade nicht angehört und so nur Hölle, Tod und Verderben von ihm zu erwarten hat.

  • #1

    Gregor (Mittwoch, 17 Dezember 2014 13:55)

    Glaube hat doc auch mit Hoffnung zu tun.
    Der Hoffnung, dass man durch seine Taten in den Himmel kommen kann.


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