„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

der emotionalistische Fehlschluss

Im Flugzeug gibt es wegen starker Turbulenzen keine Atheisten.“ Das oder ähnliches hört man häufig von Theisten. Und in der Tendenz haben sie wahrscheinlich auch Recht. Angesichts des Todes frägt man sich gemeinhin sicher was danach kommt und hofft auf einen einen errettenden Gott. Oft fügen die Theisten noch etwas wie „würden sie doch nicht nur in schlechten Zeiten nach Gott fragen." oder „Der Mensch braucht Gott halt doch“ an. Doch nach diesen oder vergleichbaren Aussagen ist da oft noch ein Ausdruck in ihrem Gesicht, der ein starkes Gefühl von Überlegenheit wiederspiegelt. Eine Mimik die mir sagt dieser Mensch denkt mir mit dem anfangs angebrachten Zitat eine tiefere Wahrheit offenbart zu haben. Vielleicht ist es im Entferntesten so etwas wie „siehst du! Gott existiert also doch!

Zumindest wäre diese Konklusion nicht neu. Ich persönlich kenne mehrere Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit und Konfession, die so argumentieren. Dann heißt es zum Beispiel: „Ich spüre es so stark. Da kann es nicht sein, dass das alles Einbildung ist. Da muss Gott existieren.“ Hierbei handelt es sich wie bei allen mir bekannten Versuchen Gott zu beweisen um einen Fehlschluss. Jedoch nicht direkt um einen naturalistischen Fehlschluss wie bei den herkömmlichen GottesbeweisenEs ist vielmehr ein, ich nenne ihn mal emotionalistischer Fehlschluss“, bei dem vom Gefühl auf das Sein geschlossen wird.                                                                                          

Doch warum können so viele Menschen einer doch solch leicht zu entkräfteten Argumentation Glauben schenken? Das liegt natürlich auch daran, dass sie glauben wollen. Das der Glaube tiefe menschliche Bedürfnisse zu befriedigen vermagNot hilft ja bekanntlich beten. Aber ich glaube da steckt noch etwas Anderes dahinter. Ein intuitives Phänomen, fernab vom Willen. Ich denke nämlich wir assoziieren Dinge die uns gut tun oft mit der Realität. Das ist sicher auch ein Zeichen von Bequemlichkeit und die muss gar nicht einmal bewusst sein. Wenn es um schwerwiegende Entscheidungen geht entscheiden wir gerne aus dem Bauch heraus. Wenn zwei konträre Positionen in einer Talkshow vertreten werden erlebt man die Szenerie schnell aus der Sicht desjenigen, der sein eigenes Weltbild bestätigt. Schnell sieht man den Anderen als subtil populistischen Aggressor und den eigenen Mann in der Rolle des tollkühnen Wahrheitsverfechters. Das ist ganz natürlich und wohlmöglich sogar von evolutionärem Vorteil. Es lässt uns aber auch enorm subjektiv werden und das sind Theisten wenn sie meinen Gottes Existenz aus einem Gefühl heraus beweisen zu können. Enorm subjektiv. 

Das alles bedeutet aber natürlich nicht, Gott existiere nicht. Wenn ich einen Paralogismus aufstelle dessen Konklusion die Existenz des Stuhles auf dem ich gerade sitze darstellt ist der Stuhl immer noch da. Nur die Schlussfolgerung ist eben falsch.

Beim hören dieses Liedes habe ich das unvermittelte Gefühl von tiefer Wahrheit.

Ohne dies begründen zu können.

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