„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die Heisenbergsche Unschärferelation beweist NICHT die Willensfreiheit

Im Zusammenhang mit der Heisenbergschen Unschärferelation liest man oft von einem freiem Willen“ (präziser wäre wohl Handlungsfreiheit). So wehren sich vor allem Gottesgläubige, Esoteriker und Spirituelle vehement gegen die in den Naturwissenschaften vorherrschende Meinung, die Gesetzmäßigkeiten der Natur würden keinen freien Willen zulassen und berufen sich bei ihren Widerworten oft auf die HUR. Doch ist diese Schlussfolgerung richtig? Richtig ist, dass die Annahme eines komplett deterministischen Universums seit der HUR passé istIn bestimmten Bereichen der Quantenmechanik, beispielsweise beim beschießen eines Strahlteilers mit einzelnen Photonen, lassen sich bezüglich des Ausgangs von Prozessen nur noch Wahrscheinlichkeitsaussagen tätigen. An dieser Stelle wird von diesem mikroskopischen Indeterminismus auf eine Willensfreiheit geschlossen oder gleich beide gleichgesetzt - und genau hier ist die Argumentation nicht schlüssig, geschweige denn stichhaltig. Zufall ist nicht gleich freier Wille.

Im Gegenteil, ein freier Wille offenbart sich in seinem intentionalen, nicht in einem stochastischen Charakter. Besagter Strahlleiter kann z.B.: 50% der Photonen reflektieren und 50% passieren lassen. Die Quantenobjekte gehorchen hierbei den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit, wie es augenscheinlich auch Spielwürfel, sicher aber nicht Menschen machen. Der aus einem freien Willen resultierende Vorgang ist weder komplett vom gegenwärtigen Zustand abhängig (Determinismus), noch komplett beliebig gegenüber diesem (Zufall), sondern ist auch auf Dauer nicht vollständig kalkulierbar (Wahrscheinlichkeit), lässt jedoch sehr wohl Absichten, Präferenzen u.ä. erkennen.

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Donnerstag, 27 April 2017 21:31)

    Ein quantenmechanischer Indeterminismus rettet den freien Willen nicht. Dann wird die Marionette eben nicht von zwingenden kausalen Naturgesetzen bestimmt, sondern von einem indeterministischren Zufallsgenerator.

    Menschliche Gedanken und Entscheidungen entstehen durch eine Mischung aus naturgesetzlichem Determinismus und quantenmechanischer Zufälligkeit.

    Egal, in welchem Verhältnis Du beide Zutaten mischst - nie kommt dabei eine Willensfreiheit (eine bewusste, autonome Urheberschaft an Gedanken oder Entscheidungen) heraus.


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