„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Maidan-Schützen

Bezüglich der Meinungen und Berichterstattungen rund um die jüngsten Ereignisse in der Ukraine haben sich ganz grob gesagt 2 Blöcke herausgebildet. Das Internet und eine relativ breite, kritische Masse hegen immer mehr Argwohn gegenüber der westlichen, insbesondere der US-Amerikanischen Außenpolitik und sympathisieren daher mehr oder weniger mit Putin und Russland. Aber ein gemeinsamer Feind macht noch keinen guten Freund. Auf der anderen Seite stehen die großen Medien und Politiker. Die mögen Putin nicht und verkaufen ihr zugedrücktes Auge daher als Zwinkern und schlussendlich sich selbst die U.S.A.. Ihre Berichterstattung ist ohne zu übertreiben nicht weit vom früheren, schwarz-weißen Bild über den bösen Russen entfernt. Die veröffentlichte Meinung entfremdet sich aus Angst immer mehr von der öffentlichen Meinung. Kaum jemand befasst sich und berichtet objektiv über die Situation in und um die Ukraine. Die meisten haben ihre altgedienten Feindbilder und klammern sich an diesen fest indem sie nur noch die eine Seite der Medaille sehen. Dabei wäre eine objektive und somit unvoreingenommene Meinungsbildung- und verkündung von Expertenseite her hier so enorm wichtig. Ich bin leider kein Experte. Im Folgenden trotzdem ein paar erste Gedanken meinerseits zum Thema.

Im Verlauf der Krimkrise fielen sowohl Regierungskräfte, als auch oppositionelle Aufständisch Scharfschützen zum Opfer, scheinbar denselben. Darauf weist der Mitschnitt eines Telefonates hin, indem eine ukrainische Ärztin u.a. meint „Die Maidan Koalition sei nicht gewillt zu untersuchen, was genau passiert sei“, dessen Echtheit vom estnischen Außenministerium bestätigt wurde. Die neue Regierung unter dem Parlamentspräsidenten Olexandr Turtschynow beschuldigt die alte Regierung unter Wiktor Janukwytsch dieser Tat. Die Faktenlage ist jedoch viel zu unklar und die faschistischen, neuen Duzfreunde „unserer“ Politiker viel zu korrupt um dies ohne zu hinterfragen als faktisch gegeben hinzunehmen. Wer waren also die Scharfschützen und was könnten sie für ein Motiv gehabt haben, beide Seiten zu attackieren? Mein Wissen über die hochkomplexe Euromaidanthematik ist zugegeben rudimentär und selbst wenn ich dieses ganz ausleuchten wöllte, würde dies den mir von mir für diesen Blogeintrag gesetzten Rahmen sprengen. Stattdessen möchte ich ein paar wenige Punkte bezüglich der Schützen um die Institutstraße aufgreifen, die den Leser möglicherweise kritisch stimmen und daraufhin hoffentlich zu eigenen, vorbehaltslosen Recherchen animieren. Mehr fragen, denn spekulieren. Mehr zum Laufen an sich animieren, als eine Richtung vorzugeben. Denn meine könnte die falsch sein.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden die Oppositionellen nicht nur von Regierungsgebäuden (Zentralbank, Ministerkabinett usw.), sondern auch vom Hotel Ukrajina, ihrem eigenen Stütz-und Angelpunkt aus beschossen. Dafür sprechen Youtube-Videos, die Einschusswinkel einiger Kugeln und ein hochinteressanter Mitschnitt des Funkverkehrs zwischen Scharfschützen, die Janukowitsch zuzuordnen sind. In diesem ist zu hören, wie der eine Schütze seinen Kollegen frägt „Wer hat da geschossen? Unsere Leute schießen nicht auf Unbewaffnete“ und dieser daraufhin antwortet: „Den hat jemand erschossen, aber nicht wir.“ Dann: „Gibt es da noch mehr Scharfschützen? Und wer sind die?“ Janukowitsch scheint also nicht der einzige gewesen zu sein, der Scharfschützen eingesetzt hat und ich denke auch nicht, dass Janukowitsch seine eigenen Milizen hätte erschießen lassen. Doch blieben dann nicht nur noch Leute aus den Reihen der Regierungsgegner selbst, als Antwort auf die Fragen, wer diese weiteren Scharfschützen waren, übrig? Und hätten die radikalen unter Ihnen nicht auch das Motiv ein paar Opfer zu lassen, um Stimmung gegen Janukowitsch zu machen? Oder stecken da gar instrumentalisierende Interessen und Mächte dahinter, die denen innerhalb der Ukraine übersteigen?

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Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Donnerstag, 15 Februar 2018 17:44)

    https://www.heise.de/tp/features/Immer-erdrueckendere-Beweise-zu-Maidan-Scharfschuetzen-Einsatz-im-Februar-2014-3970907.html


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