„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

ProMittelstand: WinWin-Situation

Ein starker Mittelstand (stärker als der unsere!) ist innerhalb einer demokratisch-freien Volkswirtschaft für alle beteiligte Personen wünschenswert. Ja, auch für die Oberschicht. In unserem „postfeudalistischen“ Zinsgeldsystem kommt es ohne zutun des Staates zu einer Vermögenskonzentration bei ein paar Wenigen. Aufgrund allgemein begrenzter Ressourcen zieht dies die Verarmung der restlichen Bevölkerung nach sich (Vgl. U.S.A).

Um diesem Prozess entgegenzuwirken kann der Staat in den freien Markt eingreifen und beispielsweise über eine Vermögenssteuer Geld bei den Reicheren abschöpfen und den Ärmeren mit einer gesetzlichen Rentenversicherung zuteil werden lassen. Normalerweise wird dieser Prozess der Kapitalumverteilung von oben nach unten als soziale Wohltat für das „sozial schwache Prekariat“ (Neusprech light) und entgegen des Wohles der Reichen gesehen.

Dies stimmt nur bis zu einem gewissen Grad.

 

Nachdem ich während meines Auslandsaufenthaltes in Panama in die Hauptstand umzogen war, fiel mir zuvorderst die enorm weit aufklaffende Schere zwischen Arm und Reich auf.

Was mir intuitiv durch den Kopf schoss: Ich möchte keiner der beiden Bevölkerungsschichten angehören. Weder den Armen noch den Reichen.

Die eine Seite lebt in Wellblechhütten zwischen Dreck, Armut, Hunger und Existenzängsten. Verständlicherweise scheinen sie weder zufrieden noch glücklich zu sein. Doch auch die andere Seite scheint mir unzufrieden, unglücklich und von Existenzsorgen geplagt. Ihre Wohnblocks sind überwacht und ummauert, die Häuser auch nochmal. Lernt man Mitglieder dieser „künstlich geschaffenen Parallelwelt aus Angst vor der dritten“ kennen, erfährt man dass diese immer mehr wollen. Ihre Kleider und Uhren sind ihnen nicht extravagant, ihre Autos und Häuser nicht luxuriös genug. Sie haben Angst aufgrund der sozialen Unterschiede und wollen doch den Anderen nicht helfen, sondern selbst immer mehr.

 

Und doch sollten auch sie, sollten wir alle an einem gewissen Mindestmaß an sozialer Gleichheit interessiert sein. Wegen mir nicht aus Mitleid, sondern aus rationalen Gründen heraus. Denn soziale Gleichheit  bedingt sozialen Frieden. Was wir Deutschen im Verhältnis zu vielen anderen Nationen noch als Armut beklagen, ist ja irgendwie auch ein Zeichen von Reichtum. Doch wer einmal in einem der „anderen Nationen“ war weiß, dass bereits die Tendenz hin zur aufgehenden Schere zwischen Arm und Reich besorgniserregend ist.

 

 

 

Weshalb der Zins eine Teilschuld an der sozialen Ungleichheit trägt:

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