„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Negativselektion

Es lässt sich nicht leugnen, dass die hohe Politik beim Volk allgemein für bestechlich, korrupt und profillos gehalten wird. Mehr als der Kommunalpolitiker. Dies liegt sicher auch daran, dass die Wahrnehmung des Bürgers diesbezüglich verfälscht ist. Der tadellos ehrliche Politiker schmückt keiner Zeitung Titelblatt und wenn, ist es bei Ihm, der in der Öffentlichkeit steht, schnellstens publik etc. Ich glaube aber, die Subjektivität des Bürgers ist nicht der einzige Grund für diese seine Auffassung. Ja, ich glaube der Bürger liegt mit seiner Einschätzung richtig und das muss in unserem politischen System fast zwangsläufig so sein. Wer die politische Karriereleiter hinaufsteigen möchte, benötigt dafür oft die Gunst erfolgreicher Politiker, Gelder der Wirtschaft und die Reputation des Volkes. In allen Fällen gilt es sich anzubiedern, es entsteht eine Abhängigkeit und die eigenen Interessen und Überzeugungen müssen oft fremden weichen. Nach oben bücken, nach unten treten. Hat man die Macht, hat die Macht Einen. Macht und Geld korrumpieren den Charakter und legen ihn oft auch nur sichtbar offen. Dieser traurige Mechanismus, der sicher noch weitere Komponenten kennt, sorgt nicht nur in der Politik dafür, dass Menschen die einst mit Idealen und Moral starteten mit dem Erfolg bestechlich, korrupt und profillos werden.

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Kommentare: 3
  • #3

    Seelenlachen (Dienstag, 21 Juli 2015 17:44)

    Nahles ist ein Glanzbeispiel dafür, dass man keinerlei Expertise besitzen muss, um ein Ministerium zu führen.

    Ich glaube überhaupt nur Schäuble hat davor etwas (Wirtschaftswissenschaftenstudium) gemacht, das etwas mit seinem jetzigen Ministerposten zu tun hat. Und wirklich Ahnung von Wirtschaft und Finanzen scheint er auch nicht zu haben.

    Aber warum wird dann jemand Minister (immmerhin direkter unterstellter der Kanzlerin), wenn nicht durch seine fachspezifische Befähigung? Die rhetorischen Kompetenzen, mit der man die Ergebnisse seiner Mitarbeiter nach außen trägt, können es auch nicht sein. Das kann jeder bestätigen, der einen unserer Minister einmal reden oder diskutieren gehört hat.

    Vielleicht ist es ja gar nicht so sehr eine "positive Selektion" nach oben. Vielleicht muss man seine eigenen Ideale aufgeben und parteikonform ducken, vielleicht muss man nach unten treten und sich "nach oben bücken", um einmal auf so einen Posten zu kommen.
    Wenn ja, ist das ein Fehler systemischer Natur.

  • #2

    sapereaudepls (Mittwoch, 10 Dezember 2014 14:55)

    Einige ja. Aber sehen wir uns nur einmal die dtsch. Regierung (Kanzlerin + Minister) an. Kaum einer (als Gegenbeispiel fällt mir gerade nur Schäuble ein) von denen hat etwas studiert, was ihr oder ihn für den Ministerposten qualifizieren würde bzw. sich zuvor intensiv mit der Thematik die dieser Posten mit sich bringt befasst. Jetzt üben sie das höchste politische Amt z.B. als Umweltminister einer Thematik aus. Dabei gäbe es soviele, die wirklich eine Ahnung davon haben (Geowissenschaften, Biologie usw. studiert).

    Wegen Ihrer Rhetorik oder Befähigung zur Öffentlichkeitsarbeit können diese Leute auch nicht so hoch gekommen sein, wenn man sich einen Alexander Dobrindt etc. ansieht.

    Merkel wollte Gauck auch nicht, weil er sich trauen könnte gegen Sie aufmüpfig zu werden. Es ist also nicht von der Hand zu weißen, dass ein Opportunismus (als Gegensatz zu einer Überzeugung) hilft, nach oben zu kommen.

    Das gilt übrigens nicht nur für die Politik.

  • #1

    Nik (Mittwoch, 10 Dezember 2014 14:29)

    Denkst du nicht, dass auch positive Eigenschaften helfen aufzusteigen?


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