„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Paradoxien bei Zeitreisen

1. Zeitreisen in die Vergangenheit

Zeitreisen in die Vergangenheit führen fakultativ zu kausalen Problemen. Diese werden meist als Paradoxa bezeichnet. Doch sind sie das wirklich? Sind Zeitreisen entgegen des Zeitpfeils – abgesehen von physikalisch oder praktisch – generell logisch möglich? Allgemein lassen sich hier (soweit ich das absehen kann) zwei kausale Probleme unterscheiden. 

Bei der Konsistenz-Problematik zerstört eine Wirkung ihre eigene Ursache. Das wohl geläufigste Beispiel hierfür ist das Großvaterparadoxon. Nach diesem reist ein Mann in der Zeit zurück und tötet seinen Großvater vor der Zeugung seines Vaters. Aufgrund des Mordes an seinen Großvater wird nie sein Vater und folglich auch nie Er geboren werden. Das würde bedeuten, dass es nie zu der Existenz des Mannes kommt. Folglich kann dieser auch nie in der Zeit zurückreisen und seinen Großvater umbringen. Dann aber kann es wiederrum zu der Geburt des Mannes kommen. Das Spiel lässt sich ähnlich einem Lauf im Kreis unendlich fortsetzen. Dies verdeutlicht in meinen Augen, dass Zeitreisen in die Vergangenheit (sofern diese Veränderungen in der Selbigen bewirken. Bei einem selbstkonsistenten Universum ergibt sich beispielsweise Folgendes nicht) zumindest innerhalb der von uns gewählten Prämissen (bei Zeitreisen in die Vergangenheit aufgrund der Annahme der Viele-Welten-Interpretation auch nicht) zu Inkonsistenzen, logischen- Widersprüchen führen.

Bei der Münchhausen-Problematik (frei nach dem Lügenbaron, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zog) erschafft eine Wirkung erst ihre eigene Ursache. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist der Mann, der in der Zeit zurückreist und seine Eltern erst verkuppelt. Hätten seine Eltern sich jedoch ohne ihn nie kennen gelernt, wäre er nie geboren wurden und hätte so auch nie seine Eltern zusammenbringen können. Es stellt sich ähnlich wie bei der Frage nach Huhn oder Ei die, was erste Ursache und was die dadurch bedingte Wirkung ist. Auch in diesem Fall führen Zeitreisen zu logischen Widersprüchen.

2. Zeitreisen in die Zukunft

Zeitreisen in die Zukunft führen nicht zu kausalen Problemen. Und doch werden viele damit verbundene Scheinprobleme fälschlicherweise als Paradoxa bezeichnet.

 

Die populärste Scheinproblematik, die infolge Zeitreisen in die Zukunft aufkommt ist das (fälschlicherweise) sogenannte Zwillingsparadoxon. Nach diesem fliegt einer der Zwillinge mit annähernder Lichtgeschwindigkeit zu fernen Flecken des Universums und kehrt daraufhin zurück. Da aufgrund der relativistischen Zeitdilatation salopp gesagt die Zeit für schnellere Objekte langsamer vergeht und der gereiste Zwilling viel schneller war als der auf der Erde verweilte Bruder ist der gebliebene Bruder erheblich älter, als der Weltraumreisende. Während der geschilderten Geschehnisse kommt es zu keinerlei logischen Widersprüchen.

3. Sind Zeitreisen logisch möglich?

Zeitreisen in die Vergangenheit sind logisch nicht denkbar. Zeitreisen in die Zukunft hingegen logisch, physikalisch und sogar praktisch möglich. (Zumindest nach unseren derzeitigen intuitiven und intellektuellen Zeitverständnis) Doch warum ist dies so? Was unterscheidet die Vergangenheit hier so ausschlaggebend von der Zukunft?

 

Die Gegenwart resultiert gemäß dem Kausalitätsprinzip aus der Vergangenheit und fließt „nur“ in Richtung Zukunft. Somit ist auf dem Zeitstrahl die Vergangenheit das Faktische und die Zukunft das Potentielle. Bei einer Reise in die Zukunft waltet man also im Reich des Möglichen, weshalb die Reise keine logischen Probleme verursacht. Bei einer Reise in die Vergangenheit hingegen greift man in eigentlich bereits Feststehendes ein, woraus logische Probleme entstehen. Beim Feststehenden ist es problematisch etwas verändern zu wollen, beim Möglichen nicht.

(Oder: Dem Kausalitätsprinzip nach ist eine Wirkung stets durch eine zeitlich vorgegangene Ursache bedingt. Dies ist beim Zwillingsparadoxon der Fall, beim Großvater- und „Elternverkupplungs“-paradoxon aber nicht.)

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