„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

die Macht der Worte

Verteidigungsministerien dienen offensichtlich nicht immer allein der Landesverteidigung. Nirgendwo wurden beispielsweise über die letzten Jahrzehnte mehr Angriffskriege beschlossen, als im Pentagon (dem Hauptsitz des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums). Das wir Deutschen nun das Verteidigungsministerium trotz seines Mitwirkens an dutzenden militärischen Interventionen stur als solches bezeichnen hat einen juristischen Hintergrund. So wird in Artikel 26 des deutschen Grundgesetzes die Vorbereitung und Führung von deutschen Angriffskriegen als verfassungswidrig erklärt.

 

"Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, […] 

insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereit, sind verfassungswidrig [...]“ 

GG, Art. 26, Abs.1

Daher wird Angriff als die beste Verteidigung vermarktet. Doch haben derlei fehlleidente Worte noch viel tiefsitzendere, soziokulturelle Wurzeln. Würde man offen und ehrlich das Volk bezüglich unserer weltweiten Ressourcen-und Wirtschaftskriege fragen, gäbe es für diese nie die benötigte, demokratische Mehrheit. Erzählt man den Bürgern aber „Deutschland wird am Hindukusch verteidigt“ (Peter Struck), wächst deren Akzeptanz gegenüber den Einsätzen der deutschen Bundeswehr. Und augenblicklich sieht nicht einmal das Verfassungsgericht selbst mehr einen Angriffskrieg in dem bombardieren der Städte fremder Nationen.

# Militäretat, nicht Sicherheitsetat.

 

Doch woher rührt es nun, dass es dadurch nicht zu einer kollektiv, kognitiven Dissonanz kommt? Wie können wir Krieg wahrnehmen und gleichzeitig ohne weiteres damit eine friedenserhaltende Maßnahme assoziieren? Wie können von kapitalabhängigen Medien die gleichen Menschen, die in Afghanistan als die bösen al-Qaida, in Syrien als die guten Freiheitskämpfer dargestellt werden, ohne das wir uns flächendeckend für dumm verkauft vorkommen? Es ist simpel. Das Volk spricht sich selbst die Deutungshoheit ab, hält sich für zu ungebildet um einfachste, grundlegende Umstände zu interpretieren. Folglich liegt die Deutungshoheit bei denen, den das Volk (mehr oder weniger blind) glaubt. Wir selbst haben die offensichtlichsten Fragen verlernt. Und deshalb kann dieser Schwachsinn auch schließlich darin gipfeln, dass die NATO tatsächlich als Friedensbündnis gilt.

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