„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Skandal des 21. Jahrhunderts

Laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen gehen rund 1,842 Milliarden Menschen weltweit hungrig zu Bett. Davon sind etwa eine Milliarde Menschen permanent schwerst unterernährt. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren und täglich sterben 57.000 Kinder an Hunger.

 

# Ich habe den Hunger satt!

 

Dem Generalsekretär der UNO für Politikkoordination und sozial-ökonomische Fragen Thomas Stelzer nach würden 7 Milliarden US-Dollar ausreichen um das Hungerproblem global zu lösen. Die Rente mit 63 wird vergleichsweise dem deutschen Haushalt bis 2030 160 Milliarden Euro kosten. Dem Welthunger wäre also mit nicht einmal einem zwanzigstel dieser deutschen Rentenreformkosten beizukommen. Oder nimmt man den horrenden Betrag von 1,6 Billionen Euro, die den EU-Staaten die Bankenrettung von Oktober 2008 bis Dezember 2011 gekostet haben soll. 285 Mal hätten wir damit alle hungerleidenden Menschen auf dem Planeten retten können.

 

# Es gibt genügend Geld. Es ist nur zu ungleich verteilt.

 

Und das ist der eigentliche, große Skandal – die Farce des 21. Jahrhunderts. Dass ein Großteil des Leides auf dieser Erde relativ leicht vermeidbar wäre, wir darum wissen und doch nichts unternehmen. Der Welthunger ist hierbei ein geeignetes Beispiel, da schnell ersichtlich wird wie groß und zugleich verhältnismäßig leicht lösbar das Problem ist. Dabei bin ich mir darüber bewusst, dass die vorher angebrachten Zahlen stark subjektiv verfärbt sein können, doch darum geht es mir nicht. Selbst falls die UN um eine Zehnerpotenz über der realen Zahl liegen sollte, sind 184 Millionen hungerleidende Menschen, (zumal) in unserem Zeitalter, noch genau 184 Millionen zu viel. Auch wenn die nachhaltige Welternährung eine ganze Billion kosten würde, so steht dieser finanzielle Aufwand doch in keinem Verhältnis zu dem Leid und Tod, die wir heute ohne ihn verursachen. Und ja unsere unterlassene Hilfeleistung tötet passiv. Und nein, deine Ausreden stehen in keiner Relation zu deinen Taten. Vielleicht könntest du den Welthunger nicht stoppen, aber mildern. Du könntest, tust aber nicht. Mit dem Finger auf die Anderen zeigen ist auch kein Argument. Nur weil es fast alle so machen ist daraus nicht der Schluss zu ziehen, unser Verhalten sei moralisch. Dabei liegt der einzige Unterschied zwischen dem Nachbarn dem du hilfst und einem hungerleidendem Kind in Uganda in der geografischen und emotionalen Nähe.

 

„Ein Kind das heute verhungert, wird ermordet.“ Jean-Paul Ziegler

 

So ist der Mensch der größte Feind des Menschen und wenn er tatsächlich ein reiner Egoist und mitleiden sein einziger Beweggrund zu moralischem Handeln sein sollte, ist Apathie eine milliardenfache Todesursache.

 

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Kommentare: 3
  • #3

    sapereaudepls (Sonntag, 11 Mai 2014 02:01)

    @anon

    1. Dass 7 Milliarden dafür ausreichend würden, habe ich nie behauptet. Im Gegenteil: „Dabei bin ich mir darüber bewusst, dass die vorher angebrachten Zahlen stark subjektiv verfärbt sein können, […].“


    2. Es war weder mein Ziel die Vielschichtkeit des Welthungerproblems herunterzuspielen, noch wollte ich nur plumpen Kulturpessimismus a la „die Welt ist doch so schlecht“ üben.

    3. Das ganze sollte keine wissenschaftliche Abhandlung werden, sondern einfach ein leichtverständlicher „Wachrüttler.“ Zugegebenermaßen ist das Ganze tatsächlich arg populistisch und wenig differenziert ausgefallen.

    Danke für die Links!

    (Ich nummeriere meine AW einmal durch. Ob du über diese benachrichtigt wirst, weiß ich nicht. Falls ja, ermöglicht das eine einigermaßen übersichtliche Diskussion.)

  • #2

    anon (Sonntag, 11 Mai 2014 01:27)

    Du kannst selbst nachrechnen, dass 7 Milliarden US$ nicht ausreichen würden, um 1,8 Milliarden Menschen (und mehr?) zusätzlich (sic!) langfristig und gesund ernähren zu können. Es ist ja nicht damit getan, jedem Menschen ein Stück Brot und ein Glas sauberes Wasser hinzustellen. Das Thema ist hochkomplex und es braucht Jahrzehnte (oder länger), um die benötigten Strukturen für die Hilfe zur Selbsthilfe aufbauen zu können. Das Grundproblem ist nicht, dass Geld fehlt, sondern dass sich das Hungerproblem nicht nur durch Geld lösen lässt. Ich weise mal darauf hin, dass bereits über 10% der Milliardäre in den USA versprochen haben einen Großteil ihres Vermögens zu spenden (Stichpunkt Giving Pledge). Allein die Bill und Melinda Gates Stiftung verwaltet ca. 40 Milliarden US$.
    In deinem Blog gehst du davon aus, dass es auf der gesamten Welt keine Gruppe von Individuen oder Institutionen geben würde, die über (im Vergleich lächerliche) 7 Milliarden Dollar verfügen würden, und auch bereit wären, diese zu geben, um den Welthunger zu beenden. Das ist offensichtlich Unsinn.
    Hier noch ein paar spannende Anregungen zum Thema:
    Hans Rosling on global development
    https://www.youtube.com/watch?v=usdJgEwMinM
    Peter Singer on effective altruism
    https://www.youtube.com/watch?v=Diuv3XZQXyc

  • #1

    Hinz und Kunz (Sonntag, 16 März 2014 03:13)

    Was kann ich tun?


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