„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

mein Fallschirmsprung

Am 10.05.2009 wurde mir die Konfirmation erteilt. Ich konfirmierte mit vielen meiner Schulfreunde in der St. Margarethenkirche bei Sulzdorf. Von den Bekannten, die nach meiner Einsegnung noch beim Gasthof zum Hirsch eingeladen waren wünschte ich mir hauptsächlich Geld. Was ich mit diesem anfangen wollte, wusste ich nicht genau. Und so beschloss ich es lieber auf mein Sparbuch anzulegen, als es auf Teufel komm raus auszugeben. Einen langjährigen Traum wollte ich mir aber mit einem Teil des Geldes erfüllen und so buchte ich für 199€ im Internet meinen Fallschirmsprung am 06.09.2009.

 

Nachdem wir an langersehntem Tag als Familie den Gottesdienst besucht hatten fahren wir jetzt zum Adolf-Würth Airport in Hessental. Dort angekommen kleidet man mich in einen orangenen Fallschirmanzug und weist mich bei mehreren Trockenübungen in das Fallschirmspringen und seine Tücken ein. Danach gehen wir auch schon zu dem Flugzeug (C-206), das uns in die Luft bringen wird.

Mit mir springt noch ein weiterer Junge zum ersten Mal. Nach dem Start sprechen wir ein wenig miteinander und lernen uns kennen, bis das Flugzeug Höhe von 3200 Metern erreicht hat. Für diese Absprunghöhe hatten wir zwei zwar gezahlt, jedoch fragte man uns nun ob wir noch höher wollen. Und natürlich wollen wir das! Wie hoch wir uns jetzt, als die Seitentüren geöffnet werden, über Land befinden weiß ich nicht. Es sind sicher noch einmal weit über 3200 Meter Absprunghöhe. Man ruft mich zur Tür, mein Fallschirmrucksack wurde mir noch nicht angelegt. Und so stehe ich nun ungesichert vor der Kabinentür. Mit der linken Hand hebe ich mich an der Schlaufe über mir fest und 10 Zentimeter trennen meine Zehenspitzen vom Schritt ins Leere. Wenn ich jetzt stolpere, schießt es mir durch den Kopf, falle ich mit dem Wissen, dass der Aufprall meinen Tod bedeutet. Der Mann hinter mir legt mir meinen Fallschirmrucksack um, der Lärm der die mit hunderte Stundenkilometer reinschnellende Luft verursacht verhindert dabei jede Kommunikation. Nachdem alles festgezogen wird, gestikuliert man ich solle mich umdrehen.

 

Was nun zu tun ist, haben wir vorher besprochen. Ich stehe mit dem Rücken zur Tiefe und lasse mich nach hinten fallen. Und plötzlich falle ich Kopf voraus gen Erde. Die Wolken unter mir wirken aus dieser Entfernung winzig und als sie näher kommen lasse ich mich kopfüber durch sie fallen. Danach genieße ich es mich, wie beim professionellen Skydiving, zu drehen und zu überschlagen, was nach und nach auch besser klappt. Möglichst spät öffne ich dann den Fallschirm. Dazu positioniere ich mich horizontal und reiß an einer Schnur. Daraufhin entfaltet sich der Fallschirm und ein sprichwörtlich atemberaubender Ruck bremst mich von ca. 200km/h Fallgeschwindigkeit auf etwa 4m/s Sinkgeschwindigkeit.

 

Die letzten hunderte Meter schwebe ich fast auf ein freies Feld nahe dem Airport zu. Zur aufgrund des relativ starken Windes noch einmal ein wenig herausfordernden Landung reiße ich meine Füße empor, sodass ich mit dem Hintern lande. Auch dies verläuft glücklicherweise einwandfrei und so finden meine Eltern und Geschwistern einen wie ein Honigkuchenpferd grinsenden Johannes vor. 

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