„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

meine erste Hypnoseerfahrung

Ich weiß nicht wirklich, was ich mir von meinen Eltern diese Weihnachten wünschen soll. Aber ich weiß, dass sie mir gerne etwas Präziseres als Geld geben wollen. Und so beschloss ich mir mit dem Hypnosetermin einen alten Wunsch schenken zu lassen.

 

Am 20.12.2013 fahre ich schließlich gen mein verfrühtes Weihnachtsgeschenk nach Bad Rappenau. Um die (kostspielige) Zeit sinnvoll nutzen zu können ist der Erfassungsbogen ausgefüllt und ich weiß bereits was für verschiedene Formen der Hypnose mich interessieren.

 

Wir beginnen mit einem in seiner Auswirkung recht simplen Effekt. Ich soll meinen Arm gerade ausstrecken, sodass mein Zeigefinger in Blickrichtung zeigt. Nun bewege ich meinen Torso soweit wie möglich nach rechts, ohne dabei die Beine zu bewegen. Mir gelingt in etwa eine 300°-Drehung um die eigene Achse. Mehr ist aber bei allem Verbiegen nicht drin. Nun versetzt mich die Hypnotiseurin in einen hypnotischen Zustand und setzt mir den Gedanken in den Kopf, dass mein Rumpf ein Eulenhals sei. Als ich mich nun noch einmal an die Übung mache, gelingt mir mehr als eine komplette Umdrehung.

 

Jetzt strecke ich meine Hände so aus, dass sie parallel zueinander stehen und etwa 10cm Raum zwischen ihnen Platz findet. Ich bekomme gesagt, dass sich 2 äußerst starke Magneten in meinen Händen befinden, die sich gegenseitig abstoßen. Und tatsächlich schaffe ich es nicht mehr meine Hände aufeinander zu legen. Im Gegenteil, umso mehr ich es versuche, desto stärker scheinen die Magnete zu werden. Nach dieser eindrücklichen Erfahrung bittet sie mich, ich möge mich auf den Stuhl links von mir setzen. Sie erzählt mir, dass ich an diesem festgeklebt bin und mir gelingt es nicht mehr aufzustehen. Umso mehr ich (wieder) versuche gegen diese (rein gedankliche!) Blockade anzukämpfen, desto stärker scheint sie.

 

Allein meinen Namen oder eine vorher festgelegte Zahl vergesse ich nicht. Ich lasse mich zwar vollkommen auf die Hypnose ein (sonst funktioniert sie nicht! Nur wer es auch möchte, kann hypnotisiert werden), aber möchte mir darüber hinaus nichts vormachen.

 

# kontrollierter Kontrollverlust

 

Zum Schluss lege ich mich auf das Sofa in der Ecke des Raumes und schließe meine Augen. Die Hypnotiseurin, die die ganze Zeit mein blindes Vertrauen hat, erzählt mir eine entspannende Geschichte. Ich befinde mich wieder in Panama, auf einem mir bekannten Karibikstrand. Nach und nach entsteht die Welt wieder vor meinem geistigen Auge und mit jedem Wellenschlag sinke ich tiefer in Trance. Anfangs merke ich noch wie sich meine Augäpfel verdrehen, doch dann werde ich unheimlich entspannt bis ich (trotz der Stille) meinen eigenen Pulsschlag nicht mehr wahrnehme und schlussendlich in einer gedankenfreien Sphäre jenseits von Raum und Zeit zu schweben scheine.

 

Ich hatte während diesen Stunden noch weitere, erwähnenswerte Erlebnisse (beispielsweise das Zurückversetzen in wichtige, hochemotionale Momente meines vergangenen Lebens, das mir wieder "Pipi in die Augen und Pudding in die Knie" zu treiben vermochte), aber hoffe ihnen mit dieser Auswahl schon einen kleinen Überblick über die Möglichkeiten der Hypnose gegeben haben zu können. Wie bei vielen bewusstseinsverändernden Verfahren ohne psychotrope Substanzen ist es auch bei der Hypnose essentiell aufzuhören alles kontrollieren oder begreifen zu wollen. Ich beschäftige mich seit diesem Tage hin und wieder einmal mit Selbst- und Fremdhypnose und wenn ich die Zeit dazu finde werde ich in einem meiner nächsten Blogeinträge niederschreiben, was sie in diesem Zusammenhang interessieren und weiterhelfen könnte.

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