„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Wald, Bäume und die Rückkehr des Äthers

Die Spezialgebiete der modernen Physik waren in den letzten Jahrzehnten alle für sich sehr erfolgreich. Das Weltbild der Physik wird immer komplexer, was zu der notwendigen, aber dennoch problematischen Tendenz führt, dass ein Physiker immer mehr von immer weniger weiß. Auf diese Spezialisierung hin ist das große physikalische Problem des 21.Jahrhunderts ein interdisziplinäres.

Während man in physikalischen Kreisen früher noch dachte ganz nah an der Beantwortung der letzten Fragen der Physik zu sein, scheinen diese heute mit dem Auseinanderdriften der einzelnen Disziplinen ferner denn je. Dabei arbeitet jede der Disziplinen für sich mit ihren eigenen Formeln und Vorstellungen um Raum, Zeit & Co. Das verwunderliche dabei ist, es zeichnet sich keineswegs ab, dass sich eine oder mehrere der Disziplinen vollkommen auf dem Holzweg befänden. Im Gegenteil, für sich operieren die Teildisziplinen der Physik sehr erfolgreich. Nur fehlen eben die großen Brücken und mancher Physikern stellt sich bereits die Frage, ob so etwas wie die Weltformel überhaupt im Bereich des (menschlich) möglichen liegt oder die Welt in ihren einzelnen Aspekten gar unvereinbar ist.

Anlass für diesen Eintrag war für mich ein Aspekt, bei dem zwei physikalische Konzepte unvereinbar aufeinandertreffen und der meines Wissens nach nicht Gegenstand aktueller Forschung oder auch nur Diskussion ist. Nun kann ich mich auch irren und was ich im Folgenden umschreiben werde, ist aus kundigerer Sicht gar kein Problem. Dann liegt das Problem natürlich bei mir und nicht bei einer Naturwissenschaft, die „vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht.“

Nach der speziellen Relativitätstheorie sind Raum- und Zeitangaben keine universell gültigen Ordnungsstrukturen. Es lässt sich also kein absolutes Bezugssystem ausmachen, anhand von dem sich ein „objektives“ Koordinatensystem aufstellen lässt. Gleichzeitig lässt man bei den Schlüssen rund um die kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung die Längenkontraktion und Zeitdilatation wieder vollkommen außer Acht, da quasi von absoluter Bewegung des Beobachters zum Beobachtungsobjekt mit absoluter Zeit ausgegangen wird. Mit einem Hauch Polemik lässt sich somit durchaus sagen, dass sich ein Verwandter des Äthers durch die Hintertür wieder in die Physik geschlichen hat.

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