„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

probableres Gottesbild

1.    guter Gott?

Einen allmächtigen und allgütigen Gott halte ich angesichts der real existenten Leiden auf dieser Erde für höchst unwahrscheinlich. Eine Welt in der die Kinderpornografie und der Holocaust Platz finden, kann in meinen Augen nicht von einem Wesen, dass alles machen kann was er will und nur das Beste für uns will, geduldet oder gar aktiv geschaffen sein.

 

So wie die Theodizee die Liebe als das ordnende Prinzip der Welt ansieht, sah dies Kant in der Vernunft. Dabei strotz die Welt oft voller Hass und Unvernunft. Ein solch reizvolles, aber realitätsfernes Bild ist oft das Ergebnis der menschlichen Bedürftigkeit nach Glück, Beistand, Unsterblichkeit, Sinn, usw. Und nur selten das ergebnisoffener, rationaler Überlegungen.

 

Das beste Argument gegen diese Fragen der sog. Theodizee ist aus meiner Sicht die menschliche Begrenztheit. Zwar leugnen die mir bekannten Gegenargumente stets entweder die dem Gottesbild zugeschriebene Allgüte, die dem Gottesbild zugeschriebene Allmacht, den Bezug Gottes zur Welt oder das theoretisch vermeidbare Leid auf der Welt, jedoch könnte die Theodizee aus einem höheren, möglicherweise göttlichem Standpunkt heraus wohlmöglich doch zu lösen sein.

 

Im Rahmen durchschnittlicher, intellektueller Fähigkeit kann man meiner Meinung nach nicht an die Existenz eines abrahamitischen, insbesondere des christlichen Gottes glauben, ohne völlig blindlings seinen Verstand aufzugeben. (Da der Mensch nicht glauben kann, was er will).

2.    böser Gott?

Gehen wir im nun davon aus, dass ein Gotteswesen durch seine übernatürliche Macht, wenn nicht gar Allmacht gekennzeichnet ist. Manch ein Mensch (darunter beispielsweise Arthur Schopenhauer) hatte oder hat ein durchaus  böses Bild von Gott. Einen allmächtigen und allbösen Gott halte ich angesichts des real existenten Glückes auf dieser Erde für höchst unwahrscheinlich.

 

Ein negatives Gottesbild ist oft entweder das Resultat persönlicher, grausamer Schicksalsschläge, Mitleides oder einer Fokussierung auf das Leid  der Welt. Dabei hätte ein sadistischer Gott ganz andere Möglichkeiten bezüglich seines Weltwerkes. Er könnte und würde wohl die Hölle auf Erden erschaffen. Anhänger eines komplett negativen Gottesbildes nehmen nur noch einseitig wahr und übersehen dabei das wirkliche, duale, ambivalente Wesen der Welt. Sowohl Tränen der Freude, als auch Tränen der Trauer fallen auf den Erdboden.

3.    probablerer Gott?

Bestimmte Gottesbilder für unwahrscheinlich zu halten bedeutet nicht die Existenz eines Gottes an sich für unwahrscheinlich zu halten. Es gibt vielmehr auch gute Gründe für die Existenz von etwas Gottesähnlichem. Der Beweis der Existenz Gottes aber ist für den Menschen wohl unmöglich, da kein sicherer Schluss vom Denken auf das Sein möglich ist.

Allein die Möglichkeit eines real existenten Gottes kann in einem die Frage aufwerfen, wie dieser Gott denn ist. Wie Gott wirklich ist, ist zumindest objektiv wohl kaum mit letzter Gewissheit feststellbar. Wohlmöglich lassen sich aufgrund der Beschaffenheit der Welt und innerhalb unserer intellektueller Begrenztheit jedoch Präferenzen bezüglich mehr oder weniger wahrscheinlicher Gottesbilder erkennen.

Sowohl die Existenz eines allgütigen, als auch die eines allbösen Gottes halte ich aus bereits dargelegten Gründen für unwahrscheinlich. Doch was ist die Welt? Gott offenbart sich dem menschlichen Kollektiv offensichtlich nicht direkt. Auch ist aus meiner Sicht keine klare Linie in der Welt zu erkennen, anhand derer sich das Wesen eines Gottes indirekt ableiten lasse.

Doch gehen wir einmal davon aus, es gäbe definitiv einen Gott. Gerade dass er sich uns nicht offenbart oder ein zielgerichteter Wille zu erkennen ist, sagt dann doch viel über ihn aus. Offenbar möchte er sich uns zumindest nicht eindeutig offenbaren. Und anscheinend ist er uns weder gut noch böse gesinnt, da sowohl eine bessere, als auch eine schlechtere Welt theoretisch möglich und für ihn auch praktisch machbar wären.

Wenn sich Gott nun gar nicht auf unsere Welt auswirken sollte ist es am wahrscheinlichsten von einem gegenüber uns mehr oder weniger belanglosem Gott auszugehen. Vielleicht sind wir sein soziales Projekt, das aus einer gewissen Langeweile heraus entstand. Und so beobachtet er uns passiv und sieht eventuell noch nach den für uns lebensnotwendigen Umständen.

Zugegebenermaßen spricht nichts groß für die Existenz eines solchen Gottes, da er eben in keiner Weiße auf unserer Welt wirkt. Aber im Gegensatz zu den beiden vorherigen und vielen anderen Gottesbildern spricht auch nichts gegen das von einem belanglosen Gott.

Manch einer mag ein solches Gottesbild als beängstigend empfinden. Dabei hätte ja gerade die Existenz eines solchen Gottes überhaupt keine praktischen Folgen für uns.

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