„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

#Vertrauen

Vertrauen ist verdammt zerbrechlich.

Es braucht oft viel Zeit,

und schwere Situationen, bis sich Vertrauen aufbaut.

(Erst in Momenten, in denen man nichts geben kann,

aber braucht, zeigt sich wahre Liebe.

Aber es reicht eine dumme Situation, um es brechen.

Deshalb ist Vertrauen risikobehaftet.

Wer vertraut, kann enttäuscht werden, kann verletzt werden.

Wunden vergehen langsam, Narben werden bleiben.

Man hat sich verbrannt und scheut das Feuer.

Leider gerade dann, wenn man die Wärme doch am meisten braucht.

Man wird misstrauisch und beginnt jeden Neubeginn anzuzweifeln.

Man ist unsicher und es drängt einem nach Kontrolle.

Dabei bedeutet Vertrauen meist ein Vertrauensvorschuss.

Die Aufgabe von Kontrolle also.

Anfänglich muss Vertrauen oft ein halbblindes Geschenk sein.

Ich kann dir nicht zeigen, dass du mir vertrauen kannst,

bevor du mir dich und deine Geheimnisse nicht anvertraust.

Ich kann dir nicht zeigen, dass ich dich halten werde,

bevor du dich nicht in meine Arme legst.

Ich kann dir nicht zeigen, dass du mir vertrauen kannst,

bevor du aufhörst deine Gefühlswelt kontrollieren zu wollen.

Vertrauen ist also immer Risiko.

Vertrauen kann in tiefer Trauer enden.

Ein Zustand der Unerträglichkeit kann sich ausbreiten

und man bereut, je vertraut zu haben.

Und ja - manch einer fiel schon zu tief, um noch einmal aufzustehen.

Aber lasst uns nicht Angst vor der Trauer haben!

Denn stehen wir dann irgendwann am Ende und sehen wir den Tod,

werden wir spätestens dann realisieren,

dass wir auf lange Sicht eh nichts zu verlieren hatten.

Der Fall ist ein Zeichen dafür, dass man geflogen ist.

Die Trauer zeigt uns, dass wir einst etwas von persönlicher Bedeutung hatten.

Wahrhaft traurig ist es nur,

nie das Gefühl vom Flug kennen zu lernen.

Sodann, lasst uns unendliche Angst davor haben,

am Ende zu realisieren, dass man nie etwas zu verlieren hatte.

Lasst uns einander nahe gehen!

"How lucky I am to have something that makes saying goodbye so hard."

Winnie Pooh


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Kommentare: 3
  • #3

    WissensWert (Montag, 16 Mai 2016 04:09)

    Es gibt zwei Ursachetypen, weshalb wir einem Mensch misstrauen:

    1. Wir kennen ihn nicht.
    2. Wir kennen ihn.

  • #2

    sapereaudepls (Freitag, 28 November 2014 12:01)

    Wenn ich schnell das Vertrauen einer Person gewinnen möchte, z.B. um ihr dann helfen zu können, biete ich ihr oft Folgendes an:
    "Frage Leute, die schon länger mit mir zu tun haben, ob man ihr vertrauen kann.
    Ich kann dir die kurze Zeit, in der wir uns kennen, locker etwas vorgemacht haben, aber ich kann nicht allen Leuten die ganze Zeit etwas vormachen."

  • #1

    Riri7 (Freitag, 28 November 2014 11:16)

    Das mit dem Vertrauen aufbauen kann manchmal sehr lange dauern, obwohl man es eigentlich gleich braucht..


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