„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

die christliche Schöpfung

Die Bibel liefert zwei Schöpfungsberichte. Von Beginn bis Genesis Kapitel 2, Vers 4a wird das sogenannte Sechstagewerk beschrieben. Direkt danach folgt die Erzählung von Adam und Eva im Paradies bis Genesis Kapitel 3, Vers 24. Diese beiden Schöpfungsberichte unterscheiden sich in vielen Punkten. Exemplarisch seien hierbei die jeweils vermittelten, konträren Auffassungen über die chronologische Reihenfolge der geschaffenen Dinge genannt. Im ersten Schöpfungsbericht wird der Mensch erst am Ende (6.ter Schöpfungstag) erschaffen. Im zweiten Schöpfungsbericht hingegen wird Adam bereits am Anfang erschaffen und Pflanzen, Tiere etc. erst später.

Meiner – wohlgemerkt begrenzten! – Ansicht nach sind diese beiden Schöpfungsberichte unvereinbar. Der Logik nach müsste also mindestens einer der beiden Berichte unwahr sein. Warum sollte aber ein Gott dahingehend wirken oder zumindest zulassen, dass in der heiligen Schrift, über die er sich den Menschen offenbaren möchte, die Unwahrheit steht?

 

 

Gehen wir im Folgenden einmal davon aus, dass der zweite Schöpfungsbericht der Bibel wortwörtlich die tatsächliche Erschaffung der Welt beschreibt.

 

Nach diesem setzte Gott Adam, den ersten Mann und Menschen in den Garten Eden. Dort gewährte Gott ihm ein paradiesisches Leben, einzig vom Baum der Erkenntnis solle er nicht essen. Würde er entgegen der Anweisung Gottes doch von diesem Baum essen, würde er des Todes sterben. Nun sind die ältesten, unbestritten dem Menschen zu zuordneten Fossilien (Schädelknochen des Homo sapiens idaltu aus Äthiopien) 160.000 Jahre alt. Die ältesten fossile Knochen von Dinosauriern sind aber ganze zehn bis fünfzehn Millionen Jahre alt. Falls zu dieser Zeit bereits Menschen gelebt hätten, hätte man auch von diesen wohl schon längst Überreste gefunden. Dem zweiten Schöpfungsbericht nach sind jedoch alle sonstigen Lebewesen erst nach dem Menschen erschaffen wurden.

Doch wie erklärt man sich als Christ die realen Funde von Dinosaurierüberresten? Sind sie Versuchungen des Teufels, die den Menschen an Gott  zweifeln lassen sollen?

 

Warum werden Adam und Eva auf Gemälden mit Bauchnabel dargestellt?

 

Nachdem Gott die Frau aus Adams Rippe schuf, damit der Mann nicht alleine sei, kam es nach der Bibel zu der ersten und folgenschwersten Versuchung des Menschen überhaupt. Die Schlange, wohlmöglich eine Verkörperung des Teufels, versprach Adam und Eva, dass sie wie Gott werden würden wenn sie vom Baum der Erkenntnis äßen. Die ersten beiden Menschen aßen schließlich von diesem Baum, wofür Gott sie bestrafte indem er sie aus dem Paradies vertrieb.

Im deutschen Strafrecht ist ein Kriterium für die Schuld(-indizierung) das Unrechtsbewusstsein. Wenn zu einem Menschen eine Stimme aus dem Himmel und eine Schlange zu ihm sprechen, woher soll dieser wissen welche ihm das richtige Bild von Gut und Böse vermittelt? Also ich wüsste es nicht.

 

Gott erschuf den Menschen nicht nur mit der Freiheit zu machen, sondern auch mit dem Hang zu wollen, was Gott selbst nicht will. Der Mensch verspürt z.B.: naturgemäß einen Reiz am Verbotenen. Warum hat uns Gott überhaupt erst so (egoistisch usw.) konzipiert, wie wir sind? Wenn sowieso alles sein Plan ist, hätte er doch sehen und irgendwie sogar wollen müssen, was alles passiert ist.

 

Die islamische Schöpfungslehre ist mit der jüdisch-christlichen über weite Teile identisch. Warum sollte ein kluger und liebender Gott den Mann überhaupt mit einer Vorhaut am Penis erschaffen haben und dann wollen, dass er sich diese gleich wieder unter Schmerzen abschneidet?

 

Nun aßen Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis und Gott bestrafte mit ihnen alle ihre Nachfahren, sprich alle Menschen, für diese Tat. Ich bin der Meinung, dass man nur einen bewussten Verursacher oder Mitverursacher einer Tat für diese verantwortlich machen und folglich auch bestrafen kann. Das man aber bereits bevor man irgendetwas getan haben konnte mit Schuld auf die Welt kommt, der Gedanke der Ursünde, hat für mich absolut nichts mit Gerechtigkeit zu tun.

 

Im weiteren Verlauf der Geschichte vermehrten sich Adam und Eva fort und sie gebar unter anderem Kain, Abel und Set. Da Adam und Eva als erste Menschen gelten und unsere Art noch nicht ausgestorben ist, müssten sich diese zwei nun existenten Generationen über Inzucht weitervermehrt haben.

 

Nachdem Kain seinen Bruder Abel aus Neid erschlagen hatte, wurde dieser von Gott in das Land Nod verstoßen. Dort lernte er seine Frau kennen. Ich kenne mich ja nicht sonderlich mit Bibelauslegungen und dergleichen aus, aber wenn Adam und Eva als erste Menschen und Kain und Abel als deren Söhne gelten, woher kamen dann die Menschen aus Nod?

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