„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Gedanken zum Begriff Universum

Nach der Enzyklopädie Wikipedia bezeichnet das Wort Universum „in der Physik die zu einem gegebenen Zeitpunkt vorgefundene Anordnung aller nach physikalischen Gesetzmäßigkeiten organisierten Materie und Energie, angefangen bei den elementaren Teilchen bis hin zu den großräumigen Strukturen wie Galaxien und Galaxienhaufen.“ 

 

Dieser Definition nach sind Begriffe wie „Multiversum“ oder „Paralleluniversen“ physikalisch sinnlos. Da alles was physikalischen Gesetzmäßigkeiten unterliegt per Definition Teil des Universums ist.  Auch zwei voneinander getrennte, also nicht durch etwas wechselwirkende, Raumzeitkontinua sind demnach Teil ein und desselben Universums. Dennoch finden sich solcherlei Begriffe in vielen populärwissenschaftlichen Büchern und sogar in universitären Abhandlungen.

 

Auch die Frage nach einem Jenseits des Universums ist damit außerhalb des physikalischen Untersuchungsgebietes und aus der Sicht der Physikalismus gar auch sinnlos. Denn wenn alles Raumzeit sei und diese Entität als „Universum“ umschrieben wird, wären die Fragen nach etwas vor der Zeit oder jenseits des Raumes beispielsweise prinzipiell ziellos.

 

Einen direkten physikalischen Nutzen haben solcherlei Gedanken zugegebenermaßen nicht. Präventionscharakter in dem Sinne, als dass sie durch unpräzise Wortnutzung verursachten Fehlern entgegenwirkt haben sie aber allemal.  

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Kommentare: 1
  • #1

    Köppnick (Samstag, 06 Januar 2018 18:40)

    "Auch zwei voneinander getrennte, also nicht durch etwas wechselwirkende, Raumzeitkontinua sind demnach Teil ein und desselben Universums."

    Man muss hier die Beobachterperspektive mitdenken: Ein Beobachter muss sich in einem der beiden Raumzeitbereiche aufhalten. Wenn es keinerlei Wechselwirkungen zu dem zweiten Bereich gibt, kann er von der Existenz eines zweiten Bereichs nichts wissen.

    Allerdings ist hier die Vorläufigkeit unseres Wissens und damit der zeitliche Aspekt zu bedenken: Wenn wir zu einem späteren Zeitpunkt Verbindung zu uns bis dahin unbekannten Teilen des Universums aufnehmen können, gehören die zu unserem, ab dem Erstkontakt auch in der Vergangenheit. Bis dahin bleibt die Annahme dieser anderen Bereiche eine metaphysische Spekulation.

    Interessant ist auch der entgegengesetzte Fall: Gehören Teile unseres heutigen Universums weiterhin dazu, wenn sich in der Zukunft ihr Abstand mit Überlichtgeschwindigkeit vergrößert? Sie können dann ja nicht mehr beobachtet werden.

    Wir haben hier offenbar eine begriffliche Unschärfe. Wenn wir das Wechselwirkungskriterium als Maßstab nehmen, kann es nur ein Universum geben. Wenn wir eine bestimmte Qualität der Wechselwirkungen innerhalb eines Universums fordern, dann auch weitere "Universen" - wenn sich die Qualität der Wechselwirkungen mit ihnen deutlich von denen innerhalb unseres eigenen Universums unterscheiden.

    Und dann gibt es noch zwei weitergehende Expansionen: Die Möglichkeit einer Existenz aufgrund mathematischer Gleichungen und die bloße (Science Fiction oder metaphysische) Spekulation.


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