„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

epistemische Paradoxien

Skeptizismus bezeichnet auch die Auffassung, dass die Möglichkeit einer gesicherten Erkenntnis von Wahrheit und Wirklichkeit in Frage zu stellen oder prinzipiell auszuschließen ist. Der Skeptizismus selbst ist auch eine Auffassung. Verabsolutiert man ihn, hebt er sich demnach strenggenommen auf. Denn dann würde gelten auch der Auffassung es gäbe keine epistemische Wahrheit gegenüber skeptisch zu bleiben.

 

Relativismus bezeichnet in etwa die Auffassung, dass jedwede Auffassung durch etwas zu ihr in Beziehung stehendem bedingt ist und keinen von diesem Etwas unabhängigen, sprich absoluten Wahrheitsanspruch zu erheben vermag. Der Relativismus selbst ist auch eine Auffassung. Verabsolutiert man ihn, hebt er sich strenggenommen auf. Denn dann würde gelten auch die Auffassung alles sei relativ sei relativ.

 

Subjektivismus bezeichnet auch die Auffassung, dass jedwede Auffassung durch das entspringende Subjekt geprägt ist und keinen von diesem Subjekt unabhängigen, sprich objektiven Wahrheitsanspruch zu erheben vermag. Der Relativismus selbst ist auch eine Auffassung. Verabsolutiert man ihn, hebt er sich strenggenommen auf. Denn dann würde gelten auch die Auffassung alles sei subjektiv sei nur subjektiv.

 

Auffassungen, deren Aussage oder Teilaussage sich negierend auf sich selbst anwenden lässt, werden dadurch entweder nichtig oder paradox. Gibt man den Absolutheitsanspruch einer solchen Auffassung dahingehend auf, als dass man sie nicht auf sich selbst bezogen für gültig hält, verschwindet beschriebenes Problem damit.

 

Meiner Auffassung nach ist, nimmt man es so genau, bereits der Versuch einer Definition der obigen Auffassungen zum Scheitern verurteilt. Denn die Erklärung eines Sachverhaltes anhand der Verwendung und Verknüpfung von Worten wie „Erkenntnis“ und „Wahrheit“, setzt die Kenntnis darüber voraus, was Dinge wie „Erkenntnis“ oder „Wahrheit“ sind.

Dieses Problem führt uns zu einem weiteren Widerspruch: Betrachte man nun etwas (z.B.: eine Erklärung) als eine Ursache (z.B.: eines Phänomens). So kann nun eventuell stets gefragt werden durch welche Ursache diese wiederrum kausal bedingt wird. Dies führt zu einer endlosen Fragekette, falls sie von keiner Wirkung, die entweder keiner Ursache bedarf oder die Ursache in sich selbst hat, durchtrennt wird (z.B.: Gott). Die diesen Gedanken zugrundliegende Überzeugung, es bedürfe irgendeiner Letztbegründung ist selbst aber nicht letztbegründet.

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