„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die Hürde der Liebe

Was uns wertvoll erscheint, basiert nur allzu oft auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Deswegen möchte der Mensch nur allzu oft das haben, was so fern erscheint. Bis er es dann schließlich hat und seinen Reiz verliert.

So kann es auch geschehen, dass so viele Mädchen in einem Jungen auf rationaler Ebene ein „arrogantes Arschloch“ sehen, ihn jedoch gerade aufgrund seines übertrieben selbstbewussten und unerreichbaren Auftretens wollen. Jäger und Sammler.  

 

Kann man einer Person also etwas Besonderes geben, sollte man dies demnach künstlich zu verknappen wissen. Denn ansonsten verliert man seinen Reiz.       

     

Lebt man jedoch mit einer Person zusammen, will und kommt man gar nicht darum herum sich herzu geben. Und das ist die ewige Hürde aller Beziehung.

 

Zu Beginn des Zusammenseins, ist der Reiz maximal, die Sicherheit minimal.

Auf der einen Seite kennt man sich noch nicht, alles ist spannend, unverhofft - alles ist neu, alles ist das erste Mal. Die Erfahrung des Anderen unverbraucht.

Auf der anderen Seite, kann man auch noch nicht wissen woran man am Anderen ist. Steht er auch in schwierigen Situation zum „Wir“? Möchte er wirklich was Ernstes?

                                                            

Im Laufe der Zeit steigt Vertrauen in die Stabilität der Beziehung auf. Der Liebende kann sich immer sicherer sein, was die Bindung spannungsloser macht – sowohl im Guten, also auch wie im schlechten Sinne.

 

Passt man nicht auf, verfällt man so in einen vorhersehbaren Trott. Die überraschenden, intensiven Momente, die man sich einst zu schenken wusste, sind nicht mehr.  Gewohnheit setzt ein. Man erhofft sich nichts mehr Unbekanntes von der Beziehung. Man hat sich aneinander gewöhnt, was maximale Sicherheit bringt. Alles ist alltäglich, alles ist berechenbar geworden, was der Sache den Reiz nimmt.

 

# Wohl auch ein Grund weshalb Fernbeziehungen oft solange halten.

Die Zeiten, in denen man zusammen ist, sind intensiv.

Man hat sich zu erzählen usw. und wird sich einander nicht überdrüssig usw.

 

Verhoffte, abgestimmte „Überraschungen“ zum Valentinstag sind nur wenig prickelnd..  Die Frage ist nun ob nur Verliebtheit prickelnd sein kann, oder in einem gesunden Maße auch eine Jahrzehnte alte Liebe? Geht Reiz und Sicherheit?

 

Ich bin wohl noch zu jung, um so was selbst beurteilen zu können. Doch kenne ich Beziehungen, wenngleich auch sehr wenige an der Zahl, die, auch wenn sie bereits Jahrzehnte gesehen haben, noch voller Neuem und unbeschwerter Leidenschaft für den Nächsten zu stecken scheinen.

Nachtrag: Eine weitere Gratwanderung in nahezu jeder Beziehung ist sicher die zwischen Ehrlichkeit und Feingefühl.  Zwischen Beziehung mit ihren Problemen totschweigen und amourös grobmotorisch.

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